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Die Kapelle des St. Josefshospitals Uerdingen
- erbaut 1988-89, geweiht am 25.11.1989 -
Der Kapellenbau
(Architekt Prof. Karl-Heinz Dohmen, Viersen)
Der Kapellenraum bildet ein unregelmäßiges Oktogon (Achteck). Das Oktogon ist eine uralte Bauform christlicher Kirchen und Taufkapellen (z. B. die Pfalzkapelle in Aachen).
Die Acht gilt in vielen Religionen als heilige Zahl. Christliche Mystik sieht in ihr die Zahl für das Paradies, da sie die Vier als Weltzahl verdoppelt. Das Achteck ist dadurch Hinweis auf Jenseits und Transzendenz. Das Achteck der Kapelle ist unregelmäßig, wie auch unsere Zeit nicht harmonisch ist.
Die nordöstliche Kapellenwand steigt steil auf und erinnert an den hochaufragenden Bug eines Schiffes. Die Kirche wird von altersher als Schiff gesehen, das durch das Meer der Zeit segelt.
Drei die Decke tragende Balken werden zusammengeführt und zentrieren sich auf den geistigen Mittelpunkt der Kapelle, den Tabernakel.
Die Glasfenster
(Entwurf Hubert Spierling, Krefeld)
An der Ostwand hinter dem Altarraum reichen zwei Glasfenster links und rechts des Tabernakels vom Boden bis zur Decke. Die Farben sind österliche Farben. Es sind die Farben der Sonne, die Christus als den "Sol invictus" symbolisieren.
Im rechten Fenster sieht man streng geometrisch gebundene Formen. Im linken Fenster sind die Formen gelöst. Der Betrachter mag sich hier Gegenständliches vorstellen. Blüten oder Trauben oder Sonnen stiegen hinauf oder sinken herab. Sprechend aber sind die abstrakten Formen: gebunden und gelöst. Ostern ist Lösung und Erlösung aus der Gebundenheit des Grabes.
An der Westseite rechts sieht man ein pfingstliches Fenster. Das Rot der Feuerzungen dringt in das Blau der Erdenschwere ein.
Eine grau-weiße Glaswand schließt zur Sakristei und zum Eingang hin die Kapelle ab.
Der Altarraum
(Entwurf und Ausführung Ernst Rasche, Mülheim/Ruhr)
Der runde Altar wächst wie ein Baumstamm - erkennbar an den Rillen der Rinde - aus dem Boden. Er erinnert an Jesaja 10,34 ff. "Die Zedern des Libanon sind gefällt, aber aus dem Stumpf der Isai sproßt ein Reis".
Die Eucharistie, die auf dem Altar gefeiert wird, wird dadurch als das Reis aus dem Stumpf des Isai gedeutet. Diese Jesajastelle wurde immer schon von den Christen auf Jesus gedeutet. Um den Altar läuft ein Fries mit vier Reliefs.
Es sind Darstellungen von Heilungswundern nach dem Markusevangelium. Sie sollen zeigen, dass Heilung immer den ganzen Menschen betrifft und das sie als Heil letztlich von Gott gewirkt wird. Vorn rechts zeigt das erste Relief die Heilung des Gelähmten nach Mk 2,3 ff. Der Gelähmte wird auf der Bahre durch das Dach in den Raum hinabgelassen. Jesus heilt ihn an Leib und Seele. "Damit ihr aber wißt, dass der Menschensohn Macht hat, auf Erden Sünden zu vergeben: - steh auf, nimm deine Bahre und geh!"
Das zweite Relief zeigt die Heilung des Blinden in Betsaida (Mk 8,22 ff). Jesus legt dem Blinden die Hände auf die Augen und fragt "siehst du etwas", und er beginnt zu sehen. Dann legt er ihm noch einmal die Hände auf, und der Blinde "sieht scharf und ist wiederhergestellt". Heilung ist ein Prozeß, der zu Klarheit und Wiederherstellung führt.
Im dritten Relief sehen wir die Heilung des Taubstummen (Mk 7,31 ff), dem Jesus die Finger in die Ohren legt und dessen Zunge er berührt. Dabei sagt er "epphata", das heißt "tu dich auf". Heilung bedeutet, dass der Mensch sich öffnen muß, um die Erfahrung des Heils zu machen.
<!--StartFragment -->Als viertes und letztes Relief sieht man die Auferweckung der Tochter des Jairus (Mk 5,35 ff). Jesus sagt "das Mädchen schläft nur", nimmt es an die Hand und spricht "Mädchen steh' auf". Auch der Tod wird überwunden, er ist - wie ein Schlaf - Durchgang zu neuem Leben.
Der neben dem Altar stehende Ambo zeigt den Propheten Jeremia, dem Jahweh seine Worte in den Mund legt (Jer. 1,9 ff). "Hiermit habe ich meine Worte in deinen Mund gelegt. Ich habe dich heute über die Völker und Königreiche gesetzt, auszurotten und niederzureißen, - aufzubauen und zu pflanzen.
Die von drei Künstlern ausgeführte Kapelle soll ein Ort der Besinnung, der Meditation und des Gebetes sein.
W. Blasius






