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Bestes Argument gegen Sterbehilfe:
Aktive Schmerzmedizin bringt Lebensqualität bis zum Tod

Marion Neidhöfer mit Hans Henskes, der kein Palliativ-Patient ist, sondern von ihr als Anästhesistin betreut wird.
Krefeld-Uerdingen. „Aktive Sterbehilfe muss nicht sein.“ Das ist für Marion Neidhöfer, Oberärztin der Abteilung für Anästhesie, Intensivmedizin und Palliativmedizinerin am St. Josefshospital eine unumstößliche Tatsache. „Mit einer guten, begleitenden Schmerz- und Symptom-Therapie kann man bis zum Tod Lebensqualität haben.“ Aus ihren klaren Worten hört man das umfangreiche Engagement der Medizinerin heraus. Lindern dort, wo heilen nicht mehr möglich ist. Das ist nicht nur ihr Einsatzgebiet, sondern ihr eine Herzensangelegenheit. Das St. Josefshospital ist eines der wenigen Krankenhäuser, bei denen die eigene Palliativ-Spezialistin zum Ärzteteam gehört.
„Palliativmedizin ist die Behandlung von Patienten mit einer nicht heilbaren, weit fortgeschrittenen Erkrankung mit begrenzter Lebenserwartung, für die das Hauptziel der Begleitung die Aufrechterhaltung der Lebensqualität ist“, erklärt sie. „Aber Palliativmedizin ist nicht Sterbemedizin.“ Beim Wissen um den nahen Tod ändern sich die Ansprüche an das Leben. Auch die Perspektiven wandeln sich. „Oft empfinden die Patienten eine höhere Lebensqualität als ihre Angehörigen glauben, weil sich ihre Prioritäten verändern“, weiß Marion Neidhöfer.
Zusammenarbeit mit allen Fachabteilungen
Marion Neidhöfer arbeitet im St. Josefshospital mit allen Fachabteilungen zusammen. Immer dann, wenn es auf das Ende zugeht und Schmerzen, Luftnot, Übelkeit oder Erbrechen die letzten Tage erschweren würden, wird sie gerufen. „Optimal für den Patienten ist es, wenn wir es schaffen, ihn gut versorgt nach Hause zu entlassen. Natürlich in enger Abstimmung mit dem Hausarzt und/oder einem Pflegedienst“, zeigt sie ihr Ziel auf. „Wo das nicht möglich ist, kümmern wir uns um einen Platz in einem Hospiz oder pflegen ihn hier im Haus in einem Einzelzimmer.“ Das Recht des Kranken, möglichst ohne Schmerzen zu sterben, nimmt sie ernst. „Auch das gehört unserer Auffassung nach zu einem familienfreundlichen Krankenhaus. Die Schmerzen zu mildern, das Sterben zu erleichtern und die familiäre Intimität zu bewahren.“
Gute Kommunikation mit dem Patienten
Dabei kümmert sie sich nicht nur um den Patienten allein. Selbst seine Angehörigen begleitet sie – auch über den Tod hinaus. Unterstützt wird Marion Neidhöfer von einem fünfköpfigen Team, das aus zwei Seelsorgern, einem Psychiater, einer Sozialarbeiterin und einer Mitarbeiterin der Pflegeüberleitung besteht. Zusätzlich bemüht sich der Qualitätszirkel „Umfassende Begleitung Schwerstkranker“ ständig, innerhalb des Krankenhauses ein geschärftes Bewusstsein für den liebevollen und intensiven Umgang mit Todkranken und ihren Angehörigen zu schaffen.
„Ich muss dazu viel über den Patienten wissen. Die gute Kommunikation mit ihm ist wichtig“, betont Marion Neidhöfer. Dabei ist es ihre Stärke, normal und unaufgeregt mit dem Patienten zu sprechen und ihm zu helfen. „Viele verdrängen zunächst die Endgültigkeit ihrer Erkrankung“, berichtet sie. „Aber dann beginnen die meisten, alles regeln zu wollen.“
Wie lange lebe ich noch?
„Wie lange werde ich noch leben?“ Auf diese Frage pflegt Marion Neidhöfer mit einer Gegenfrage zu antworten: „Wie lange glauben Sie denn?“ Die Antworten, die sie dann erhält, zeigen ihr, dass die schwerkranken Patienten ihre Situation mehr als realistisch einschätzen. „Sie fühlen schon sehr genau, wie lange es noch dauern kann. Und seine statistische Lebenserwartung zu erfahren, hilft dem Einzelnen gar nicht“, weiß die Medizinerin. Marion Neidhöfer begleitet ihre todkranken Patienten bis zu deren Ende. „Das kann eine Woche dauern oder über ein Jahr“, berichtet sie. Marion Neidhöfer betreut die Schwerkranken während ihres stationären Aufenthaltes, die Caritas übernimmt den ambulanten Part zu Hause.
Marion Neidhöfer approbierte 1989 in Bonn als Ärztin. Seit dieser Zeit ist sie am St. Josefshospital tätig. Begonnen hat sie ihre medizinische Laufbahn als Fachärztin für Anästhesie und Intensivmedizin. Ihre Zusatzausbildung als Palliativmedizinerin schloss sie vor zwei Jahren ab. „Viel verdanke ich meiner Palliativmedizin-Ausbilderin, Dr. Ingeborg Johnen-Thielemann “, erzählt Marion Neidhöfer. „Sie hat mir in meiner Ausbildung gezeigt und vorgelebt, wie hilfreich und menschenwürdig aktive Palliativmedizin sein kann.“
Als Notärztin zusätzlich im Einsatz
Aber mit Anästhesie und Palliativmedizin scheint Marion Neidhöfer nicht ausgelastet zu sein. Seit 1992 ist sie noch zusätzlich als Notärztin im Rettungsdienst der Stadt Krefeld im Einsatz. Ihre zusätzliche Tätigkeit als Leitende Notärztin der Stadt Krefeld hat sie aufgeben müssen, denn seit ihrer Ernennung zur Oberärztin am 1. Februar kommen monatlich noch 12-15 Tage Rufbereitschaft im Krankenhaus dazu. Die Einsätze als Notärztin im Rettungsdienst fährt sie aber weiter. Mindestens einen Tag pro Monat. „Das mache ich wirklich gern. Es sind halt sehr flexible Einsätze“, erzählt sie.